Was ist schlecht an Träumen?

grundsätzlich nichts, aber Träume sind Schäume und auf Wünsche reimt sich noch nicht einmal was. Was also soll bloßes Träumen bringen, außer die eigenen Erwartungen zu einer Mauer aufzuschichten, hinter der alles, was mir Licht und Wärme geben könnte, ausgesperrt bleibt. Selbst das Gesetz der Anziehung bleibt vor der Tür und vergnügt sich mit all den positiven Gedanken, die nur darauf warten, die Mauer weiter zu erhöhen, dem Himmel entgegen.

Da bleibt oft nur noch der Blick vom Sofa auf die weiße Wand und das Warten auf den verrinnenden Sand meiner Lebensuhr. Außer…und jetzt wird es abenteuerlich…ich entscheide mich, nicht länger zu träumen oder mit Wünschen mein Schicksal auf Trab zu halten, sondern reiße die Mauer ein, öffne die Tür und lasse all die Gründe ein, für die es sich zu leben lohnt.

Das Leben ist ein aktives Spiel, das anders als bloßes Popcorn Kino weder nach 90 Minuten mit einem Happy End endet noch einer Brille bedarf, um in 3D stattzufinden. Es ist bunt, laut, ungeplant und nicht immer gerecht, aber doch fair, weil jedem täglich nur 24 Stunden zur Verfügung stehen. Was du damit machst, ist deine Entscheidung.

Wofür also entscheidest du dich jeden Tag? Wenn dir keine guten Entscheidungen einfallen, mach irgendwas und sorge dafür, dass sie gut werden. Entscheidest du dich aber nicht, ist das auch eine Entscheidung und das Uhrglas dreht sich eine Runde weiter, während deine Mauer wächst. Welche Alternativen gibt es noch? Andere entscheiden lassen und der Kette an deinem Fuß um den Ziehbrunnen herum folgen?

Was aber, wenn die Entscheidungen falsch sind? Dann hast du entweder aus einem früher gemachten Fehler nichts gelernt oder jetzt die Chance, die nächste Ausfahrt im Kreisverkehr deines Lebens zu nehmen. Denn auch falsche Entscheidungen sind Wegweiser und keine Sackgassen voller Träume, Wünsche und positiver Gedanken.

Nichts gegen positives Denken, sofern Denken zu Entscheidungen und damit zum Handeln führt und dich nicht vom Blick auf die damit verbundenen Risiken abhält. Risiken auszublenden ist dabei ähnlich sinnnlos, wie Quark durch treten stark zu bekommen. Das ist schon Goethe nicht gelungen, und der hat viel in seinem Leben entschieden. Risiken gehören zum Leben. Sie sind die Erinnerungen, die wir mit unseren sprichwörtlichen Enkeln teilen wollen. Unsere Entscheidungen indes bilden die Leitplanken dieser Risiken, indem wir uns dazu entscheiden, Gefahren mit offenen Augen entgegenzutreten.

Träume indes werden zu Alpträumen, in denen wir statt davonzulaufen im zähflüssigen Untergrund steckenbleiben, ohne dass uns Wünsche vor dem Monster unserer Angst retten. Trenne deshalb Wunsch von Wirklichkeit, denn damit scheidest du Agonie von Leben und reißt ein großes Stück deiner Mauer ein. Kein Wunder, dass sich auf Stück Glück reimt.

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