Die Krise zur Chance machen


Wie einst die Türken vor Wien steht sie nun vor den Toren unseres Wohlstandes. Die Krise. Die Welt ist voll davon und wird von Menschen geschürt, denen offenkundig das Einfühlungsvermögen fehlt, sich eine Welt ohne Gewalt, Verletzungen und Manipulationen vorstellen zu können. Das wiederum stürzt die darunter leidende oder sich fürchtende Bevölkerung in Krisen, die den Kreislauf von Angst und Ohnmacht noch verstärken.

Doch was ist mit den Krisen in uns selbst, unserem täglichen Kampf mit Ängsten und Zweifeln, Verletzungen und Abwertungen durch andere und vor allem durch uns selbst? Manchmal genügt ein einziges Lebensereignis, um uns in eine Krise zu stürzen, in anderen Fällen höhlt uns der stete Tropfen kräftezehrender Prozesse langsam aus, seien es komplizierte Partnerschaften, Krankheiten oder Schwierigkeiten im Beruf.

Die gesamte Lebensenergie fokussiert auf das jeweilige Problem und verbraucht sich, wenn wir zu der Erkenntnis kommen, dass wir dem nicht gewachsen sind, und unsere Handlungsmöglichkeiten als nicht ausreichend bewerten. Diese Ohnmacht speist und verstärkt sich aus der Erfahrung, schon in ähnlichen Situationen keine Lösung gefunden zu haben. Es ist dieser Tunnelblick, der unsere Optionen auf das bloße Scheitern verengt, denn in jeder Krise steckt auch der Hinweis, dass sich ein System ändert, etwas so nicht mehr länger fortbestehen kann und oft nicht fortbestehen sollte.

Die Krise als Chance? In der chinesischen Sprache steht Krise genau dafür, für Gefahr und Chance. Krisen testen uns, sind sie doch meist Probleme, die zu lösen möglich wären, würden wir unsere selbst limitierende Grundannahme ihnen gegenüber ändern und damit auch die Bewertung unserer Handlungsmöglichkeiten.

Das setzt eine Fokusveränderung voraus, schon um der Krise nicht den Raum zu geben, unser gesamtes Leben zu beherrschen. Welche Aufgabe an uns steckt in der Krise, welcher Auftrag, dass wir unser Leben ändern sollen? Diese Frage gibt den Blick frei auf unsere Ressourcen, innere als auch äußere. Wir begreifen die Krise als Herausforderung an unsere kognitive Kompetenz und emotionale Stabilität. Das ermöglicht uns, die kritische Situation neu zu bewerten und zu erfahren, dass wir nicht ohnmächtig sein müssen.

Ein angemessener Umgang mit unseren Gefühlen, Selbstreflexion und die Neubewertung von Erfahrungen lassen uns mit dem Problem umgehen lernen und befreien uns von der lähmenden Angst, ausgeliefert zu sein.

Zuerst wäre die Akzeptanz der Situation hilfreich, denn das schafft Platz, sich seiner Verantwortung dem Problem gegenüber gewahr zu werden. Diese Verantwortung lässt uns Entscheidungen fällen, bei denen wir uns unserer Handlungsfähigkeit bewusst werden und auch, wieviel Energie wir zu investieren bereit und in der Lage sind. Das wiederum öffnet uns den Blick auf äußere Ressourcen, seien es Familie, Freunde, Kollegen oder Dienstleister.

Die Handlungsmöglichkeiten nehmen zu und die Hilflosigkeit schwindet, mit ihr die Ohnmacht und das Gefühl, unter der Last der Krise zusammenzubrechen. Diese Erfahrungen verstärkt unsere Handlungskompetenz und entkoppelt den Teufelskreis der bisherigen Krisendynamik. Wir erleben uns als Problemlöser und erfahren Selbstvertrauen in unser Tun und das dadurch erzielte Ergebnis. Wir haben uns der Krise gestellt und entwickeln uns weiter, dank der Krise.

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