Selbstliebe

Wie war das noch gleich? „Du bist nicht gut genug!“ „Aus dir wird eh nix.“ „Du bist eine Last!“ So ungefähr lautet die gefühlte Top 3 der Ansagen aus der Kindheit, die meine Klienten hier so mitbringen…
Da kann ich nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und mich fragen, „Wie schaffen es diese Menschen trotz dieser heftigen Hypotheken, so erfolgreich durchs Leben zu gehen?“

Das Unterbewusstsein lernt unter anderem durch Wiederholung. Und wenn diese Urteile einem Kind immer wieder vermittelt werden, sei es durch konkrete Worte oder auch durch nonverbale Botschaften, für die Kinder ja besonders feine Antennen haben, dann entsteht eben in der Bilanz der Erfahrungen das Resümee „Ich bin nicht liebenswert“. Viele kleine Verletzungen, emotionale Mikrotraumata, tun ihr Übriges, um diese Erkenntnis zu festigen.

Was Menschen dann tun, um in ihrem Leben zurecht zu kommen, nennt man Überlebensstrategien aufbauen. „Irgenwie muss man es ja in seinem Leben aushalten“, sagte mir mal ein Herr. Also werden diverse Mechanismen „probiert“ und der Erfolg bzw. Misserfolg entscheidet, ob das Verhaltensrepertoire um diese Taktiken erweitert wird. Im Coaching tauchen dazu Glaubenssätze auf wie „Ich muss mich anpassen, um geliebt zu werden“, „Liebe muss ich mir verdienen“ oder Schlimmeres.

Das macht das Leben sehr anstrengend, weil ständig ein Gegenüber notwendig ist, um den eigenen Wert zu bestätigen. Und es führt erfahrungsgemäß bis zum Suchtverhalten (auf vielen Ebenen), weil wir ständig auf der Suche nach einem Krümelchen Liebe oder Zuneigung sind.
Wenn dir das irgenwie bekannt vorkommt, dann überprüfe doch einmal, welche begrenzenden inneren Spielregeln bei dir abgespeichert sind.

Einen Tipp zum Probieren habe ich für dich: Wie redest du mit dir selbst? Faltest du dich beim kleinsten Missgeschick oder Konflikt zusammen oder bist du nachsichtig und langmütig mit dir selbst? Dein Innerer Dialog ist hier gleichermaßen Indikator als auch Regulativ. Hör dir beim Denken zu und versuche einmal, freundlich, langmütig, geduldig und vor allem liebevoll mit dir selbst zu sein. Das ist eine ganz schöne Herausforderung, oft mogelt sich gleich wieder die Schimpferei ein. Wie ist deine Grundstimmung mit dir selbst? Wenn du an einem Spiegel vorbeikommst, denkst du „Oh Gott!“ oder lächelst du dich an?
Kennst du den Dauerbrenner: „Hallo, Schatz, wie war dein Tag?“ Bestimmt. Frag dich das doch abends einmal selbst.

Sich Liebe und Anerkennung selbst geben zu können schafft eine Art von Autonomie, die frei macht und im Übrigen ungemein anziehend wirkt.

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