Loslassen ist das neue Sterben

Kennt ihr das, Gedanken in Dauerschleife, schlimmer als jeder Ohrwurm? Eine sich ständig wiederholende Filmsequenz aus unserem Leben, miese Handlung, scheiß Besetzung und doch können wir nicht anders, als uns den inneren Bildern hinzugeben und die selbst erdachten Dialoge wieder und wieder anzuhören. Es ist fast wie ein Unfall, man kann nicht wegsehen und ist gleichzeitig das Unfallopfer.

Dieses Phänomen erleben wir häufig nach dem Ende einer Beziehung, seien es wichtige Freundschaften oder Partner, die seit zwei Jahren Zigarettenholen sind. Wir können oder wollen nicht loslassen, wollen verstehen und finden keine Antworten auf Lebensentscheidungen, die ohne aber über uns getroffen wurden. Nur wieso fällt Abschließen so schwer?

Rational haben wir das Ende längst akzeptiert, wissen, dass vom bloßen Wünschen und daran Denken der vermisste Mensch nicht zurückkommt. Und doch will das Gefühl nicht gehen. Spürbar gräbt es sich tief in unser Inneres, verhakt sich mit all den schönen Momenten in Bauch, Herz und Kopf und quält uns mit dem immer gleichen Lied des Warum, Wieso, Wofür?

Fragen, auf die wir niemals eine Antwort bekommen. So bleibt die Ohnmacht die letzte Verbindung zum geliebten Freund. Halten wir deshalb an der Vergangenheit fest, können das Unabänderliche nicht akzeptieren und denken, wenn wir nur lang genug hoffen, wird das Raum-Zeit-Kontinuum eine Schleife fliegen und uns ins Glück zurückkatapultieren?

Wird es nicht, denn der Vermisste hat sich längst entschieden und losgelassen. Wir ziehen an einem Seil ohne Gegenzug am anderen Ende. Ein aussichtsloses Unterfangen und gleichzeitig die Metapher, dass wir längst gewonnen haben. Der Kampf ist vorbei, die Welt gehört wieder uns und die Gewissheit, dass Flucht die Schwäche des anderen ist. Loslassen setzt aber auch die Einsicht voraus, dass da keine Lücke mehr ist, kein Mangel, den der andere füllen kann. Dieser Mangel ist mein Mangel und damit allein von mir füllbar. Solange aber ein Phantom auf dem leeren Stuhl meines Mangels sitzt, nimmt dort niemand anderes Platz, während ich den Mangel füttere wie einen ungebetenen Gast. Ein Gast, der nichts gibt, außer meinen Kühlschrank leer zu fressen.

Deshalb ist Loslassen wir ein neues Musikstück hören, um den Ohrwurm los zu werden. Den kreisenden Gedanken das Stoppschild zeigen und mir klar zu werden, dass ich mein Leben auf die Schultern eines anderen gepackt habe, der längst das Basislager verlassen und die Tour fortgesetzt hat. Will ich nicht ohne Nahrung, Wasser und Sauerstoff das Dach der Welt erklimmen, muss ich mir den Rucksack zurückholen und den Ziehenden ziehen lassen, seinem eigenen Gipfel entgegen.

Erst die eigene Bewegung aus dem Kreislauf des Wartens heraus schafft den Wechsel von der Vergangenheit hin zu etwas, das wir Sehnsucht, Vorfreude und Neugier nennen können, die Zukunft. Dort stehen viele leere Stühle, die auf uns warten, besetzt zu werden und anderen damit zu helfen, ihre Dämonen loszulassen. Denn auch wir sind der Traum eines anderen Menschen und das Glück, das wir uns selbst geben.

Hierzu helfen 5 Erkenntnisse:

1. Akzeptieren, dass das Leben weitergeht.

2. Akzeptieren, dass auch mein Leben weitergeht.

3. Welchen Mangel macht der andere sichtbar?

4. Sich selbst um diesen Mangel kümmern.

5. Glück ist kein Ziel, es ist Bewegung.

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