Leichtigkeit statt Loslassen

Neulich schrieb ich einen Beitrag zum Thema Loslassen und bezog mich in erster Linie auf emotionale Fesseln, derer wir uns gern entledigen wollten, es aber oft nicht schaffen. Was aber, wenn wir erst gar nichts auf unsere schmalen Schultern packen, das wir später mühsam loslassen wollen? Wenn wir uns nicht ständig hinterfragen, abgleichen oder optimieren, sondern das Leben als das sehen, was es ist: Ein Geschenk?

Ein Geschenk ist etwas, das ich bewusst annehme oder auch nicht, das mir gut tut, mich zu nichts verpflichtet und dazu dient, dass ich mich glücklicher, unbeschwerter oder bereicherter fühle. Was also soll ich mir ständig vornehmen, nur um mein Leben noch besser zu machen, als es das wäre, hätte ich mir diese Last gar nicht erst aufgebürdet?

Hierzu fällt mir eine kleine Anekdote ein:

Ein Fischer liegt am Strand und genießt die Sonne. Ein Geschäftsmann tritt zu ihm und fragt, wieso er nicht arbeiten würde. „Habe genug Fisch für heute“, war die Antwort. „Aber wenn du mehr fängst, kannst du den übrigen Fisch verkaufen? „Wozu?“, fragt der Fischer. „Um dir ein weiteres Boot zu kaufen, um noch mehr Fisch zu fangen.“ „Und dann?“, fragt der Fischer erneut. „Dann kannst du dir weitere Boote kaufen und Leute anstellen, die für dich arbeiten.“ „Und dann?“ „Dann musst du nicht mehr arbeiten und kannst in der Sonne liegen.“ „Schau, das mach ich doch jetzt schon“, lacht der Fischer und dreht dem Geschäftsmann den Rücken zu.

Wie viel Fisch willst du in deinem Leben noch fangen, bevor du dir das erfüllst, wovon du träumst? Das meiste, das uns glücklich macht, ist mit Geld nicht zu kaufen und doch ordnen wir genau diese Dinge wie Freundschaft, Liebe und Familie dem schnöden Gelderwerb, dem Arbeiten über unsere Grenzen unter. Von innen sieht auch ein Hamsterrad wie eine Karriereleiter aus und ähnlich sinnlos drehen wir unsere beruflichen Runden, um irgendwann zu leben, irgendwann unseren Traum zu erfüllen, so wir überhaupt noch Träume haben.

Was mich nicht beschwert, muss ich nicht loslassen und Leichtigkeit zieht in mein Leben ein. Was benötige ich um glücklich zu sein? Hier empfehle ich eine Liste all dieser zum Teil winzigen Momente im Leben, die wir genießen, in denen wir ankommen, bei uns und damit glücklich sind. Schreibe dir vielleicht 50 solcher Momente auf und verteile diese auf deinem Monatskalender. Jeden Tag ein bis zwei Genussideen, die dir als Mini-Urlaube das Leben lebenswert machen. Diese Momente musst du nicht mehr loslassen und Belastendes hat keine Chance, sich auf deine Schultern zu verirren.

Höre auf, deinem besseren Selbst nachzujagen, denn du trägst es längst in dir. Statt mit immer neuen Optimierungsregeln dieses Selbst anzuketten, öffne dich deinem Ich, lass es frei und unter natürlichen Bedingungen wachsen. Du wirst den Unterschied spüren und federleicht dein Leben meistern. Schon weil du der Meister deines Lebens bist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.