Hilfe, ich bin unsichtbar

Nein, sie sieht mich einfach nicht…so oder so ähnlich quält mich aktuell ein Ohrwurm deutscher Musikgeschichte und konfrontiert mich einem Thema, das vielen Menschen Angst macht, nämlich unsichtbar zu sein. Auch wenn manchem, sexuell noch nicht ganz ausgereiftem Leser jetzt all die Möglichkeiten von Besuchen in Umkleidekabinen, Duschräumen oder privaten Schlafzimmern vors feuchte Auge treten, versteckt sich hinter dieser Angst ein handfestes Problem.

Allein zu sein, unerkannt zu arbeiten, zu lieben und zu existieren lässt die Menschen seelisch verkümmern, nimmt ihnen die für ihr Glück nötige Lebensenergie und raubt ihnen den Grund, morgens aufzustehen. Inneres Ausbrennen und körperlicher Verfall sind die Folgen, die oft viel zu spät auf dringende Änderungen im eigenen Leben hinweisen.

Es ist das Bedürfnis nach Gesehenwerden, nach Anerkennung und Wertschätzung, denn jeder Mensch misst sich zu Recht einen Wert in dieser Welt zu und möchte, dass dieser respektiert, wenn nicht sogar gewürdigt wird. Zu Recht, denn jeder Mensch ist wertvoll. Wird das ignoriert, erscheint das eigene Tun als wertlos und erschüttert den Betroffenen in seinem Selbstwert.  

Das klingt abstrakt, fühlt sich aber ganz real an, wenn du vor deinem Chef, Partner, Vater oder Finanzbeamten stehst und er durch dich hindurch sieht, sich beschwert, nur das Negative erwähnt und all dein Bemühen ignoriert. Ohnmacht umschreibt es nur ungenau, ein Brennen und Verkrampfen im Brustraum schon eher. Manchen schlägt es auch auf den Magen oder äußert sich in Rückenschmerzen, wenn die Last zu schwer wird.

Auf Augenhöhe leben heißt auch, den anderen anzusehen und gesehen zu werden und genau diese Augenhöhe gilt es zu erreichen. Dabei hilft es dir, deiner eigenen Größe bewusst zu werden, denn weder Titel, Alter, Geschlecht oder Position machen aus einem Manschen etwas anderes als dich, nämlich einen Menschen. Unter all der Fassade sind wir alle nackt und tragen die gleiche Angst des Übersehenwerdens in uns. Deshalb kümmern wir uns auch die meiste Zeit nur um uns selbst und sehen die anderen nicht. Das ist kein böser Wille, sondern selektive Blindheit und damit kein Makel, den nur wir alleine tragen. Schon gar keiner, der sich gegen uns richtet.

Du bist wertvoll und das verliert genauso wenig an Wert wie ein Hundert Euro Schein, der in den Dreck fällt, nur weil ihn keiner wahrnimmt. Wahrgenommen werden heißt damit auch, auffällig gewesen zu sein, anders als die Norm, die als Gewohnheit aus unserem Blickfeld tritt. Beuge dich nicht der Norm, wenn du gesehen werden willst, sondern bleibe authentisch, wissend dass dein Tun vom wichtigsten Menschen deines Lebens wohlwollend wahrgenommen wird, nämlich von dir selbst.  Denn auch du darfst von dir Respekt erwarten.

Du bist dein eigener Maßstab und Leuchtturm deines Tuns. Je mehr du das ausstrahlst, desto heller wird dein Licht und die Möglichkeit, gesehen zu werden, wächst. Das bedeutet nicht, anderen Idealen nachzueifern und perfekt zu sein, mehr zu geben als erwartet wird, sondern deine Erfüllung nicht im Außen zu suchen. Dein Glück bist du selbst und dein Tun darf dich glücklich machen, weil du es tust. Machst du es nur, um anderen zu gefallen, hängt dein Glück von deren Wohlwollen ab. Doch die sind viel zu beschäftigt, mit sich selbst glücklich zu werden, um dir diesen Gefallen zu tun.

Schätze dich selbst, dann werden andere folgen und dir in die Augen sehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.