Das Kleeblatt zum Glück

Spieglein, Spieglein an der Wand, was ist das größte Unglück im Land? Ob es das größte ist, weiß ich nicht, aber ein großes Unglück ereilt meist den, der sich in allem, was er oder sie tut mit anderen vergleicht. Der Hochgenuss, dabei besser als die Vergleichsgruppe zu sein, endet oft mit der Erkenntnis, dass die Auswahl wenig geeignet schien, die eigene Leistung aufzuwerten. Plane ich einen Halbmarathon kann ich mir beim Vergleich mit blinden und einbeinigen Koma-Patienten meist gratulieren, die Realität jedoch verweist mich oft auf die hinteren Ränge und offenbart des Vergleiches dunkle Seite: Das Bessere ist des Guten Feind.

Wozu also vergleichen, wenn ich gut bin wie ich bin? Weil ich das meist gar nicht so sehe und schon gar nicht fühle, überhaupt gut zu sein. Stattdessen bleibe ich hinter den mir gesetzten Erwartungen zurück und selbst, wenn ich diese einmal erfülle, schütteln andere den Kopf und sagen: Das kannst du aber besser. Dann heißt es, Gas geben, die Arschbacken zusammenkneifen, sich ins Zeug werfen und all die anderen Antreiber-Metaphern. Du bist nicht gut genug und streng dich mehr an, sei perfekt und beeil dich, denn nur dann bist du beliebt. Das volle Programm und der sichere Verlust jeglichen Glücks und Lebensfreude. Wer nichts erwartet, kann nicht enttäuscht werden oder positiv formuliert: Glück ist Realität minus Erwartungen.

Wieso aber mache ich mir diesen Druck? Oft, weil mir das Urteil anderer wichtig und die Angst vor Ablehnung groß ist. Weniger Angst allerdings haben wir mit den eigenen Urteilen über andere, auch wenn wir genau damit diesen Kreislauf der Selbsterniedrigung erst anzustoßen. Verglichen mit dem, was wir besser täten, würden wir überhaupt etwas tun, schneiden andere Menschen in unseren Augen bestenfalls ungünstig ab. Hier fühlt sich ein Vergleich gut an. Erfüllen doch auch andere all die Erwartungen nicht und lassen uns damit weniger schwach und unfähig scheinen. Tatsächlich aber schwächen wir uns durch Urteile über andere selbst, denn wir spüren instinktiv, dass der Stein in unserer Hand lediglich bis zum Fenster des Glashauses fliegt, in dem wir sitzen.

Und wenn das alles nichts hilft, gibt es noch einen Geheimtipp: Ärgere dich nicht. Denn was passiert, wenn du dich nicht wohlfühlst und darüber ärgerst? Meistens wird es schlimmer, die Wut wächst und das Selbstwertgefühl rauscht in den Keller. Da könnte man sich glatt noch mehr ärgern und die muntere Spirale ins Unglück beginnt sich zu drehen. Deshalb Mundwinkel hoch und durchatmen. Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man, da bringt es nichts, die Würfel beim „Mensch ärgerer dich nicht“ Spiel zu verschlucken.

Deshalb:

  • höre auf, dich zu vergleichen
  • hinterfrage deine Erwartungen und
  • spare dir Bewertungen
  • ärgere dich nicht

Dafür darfst du dir dann danken und das Gefühl genießen, wirklich frei von inneren und äußeren Zwängen Dinge tun zu können, die dir Spaß machen und dich zufriedenstellen. Überraschend dabei ist, dass es meist auch anderen gefällt, ohne dass du deren Erwartungen im Kopf hattest.

Doch am Ende fragst du dich, wie das nun alles gehen soll? Alles Negative wegzulassen ist das eine, aber was kann ich aktiv tun, um glücklich zu werden? Dazu vertröste ich dich auf einen folgenden Artikel, denn zuerst muss Platz entstehen, bevor du ihn mit Annehmlichkeiten füllen kannst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.