Männer sind anderes, Frauen auch #2

Männer sind die neuen Frauen, möchte man(n) manchmal beim Anblick durchgestylter, nach Himbeere duftender und aus dem Nagelstudio kommender Männer rufen und sich frustriert das Holzfällerhemd von der behaarten Brust reißen. Wenn da nur noch Haare wären.

In jedem Fall zeigen gesellschaftliche Veränderungen auch auf dem Geschlechtermarkt ihre Wirkung. Männer, Frauen und Diverse kämpfen um ihren Platz in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und drohen sich gegenseitig mit ihren pink, malve oder mauve farbenen Handtaschen. Dabei rede ich nicht von Frauenquoten in Führungspositionen, die echte Frauen eher als Abwertung begreifen. Ich meine die Konturlosigkeit heutiger Geschlechter in Verhalten, Optik und Kommunikation, auch wenn die Zunahme empathischer Männer nicht der schlechteste Weg ist, die Welt ein bisschen friedlicher zu machen.

Männer entdecken ihren femininen Anteil, entdecken die Öffnung ihrer Geschlechterrolle bis hin zu gleichgeschlechtlichen Erfahrungen und finden sich in einer Weiblichkeit wieder, die nicht zuletzt auch aus den vielen vaterlosen Alleinerzieherinnen-Familien heraus zu erwarten war. Das Rollenvorbild vieler junger Männer ist das der Mutter und anderer weiblichen Bezugspersonen auf dem Weg zum Mann, der dem männlichen Kind ein Rätsel bleibt.

Kein Wunder also, dass Männergruppen wie Pilze aus dem Boden schießen und nach Gleichgesinnten suchen, an denen man(n) das Mannsein ausprobieren möchte. Leider schaffen Gleichgesinnte kein geeignetes Rollenbild, bleibt man(n) doch unter sich und sucht das eigene Männerbild in krampfhaft peinlicher Abgrenzung zur Frau oder in männlich orientierten Ritualen, die aus einem Bettvorleger keinen Tiger machen. Denn auch ein Haka Tanz macht keinen Mann, erst ein Mann tanzt den Haka. Der Umkehrschluss steigert nur eines: Fremdschämen.

Deshalb scheint es, dass heutige Männer die Verantwortung für ihr Leben ebenso an die Frauen abgeben wie sie es aus der Mutter orientierten Kernfamilie gewöhnt sind. Die Rollen ändern sich und das wäre auch zu begrüßen, wäre es ein organischer Prozess, der beiden Geschlechtern zu passe käme. Tatsächlich aber verhindern die Angst der Männer vor dem Mannsein und die Überforderung der Frauen, nun auch noch die neuen Männer sein zu sollen, die natürliche Umgestaltung der Gesellschaft. Das Patriarchat bleibt erhalten und wird von Frauen ausgeübt, die parallel die Mutterrolle ihrer Männer innehaben. Ein spannendes Experiment, das scheitern könnte.

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