Die Seite aus dem Malbuch

Es war ein Urlaub, wie er im Kataloge steht – schnell noch mal 10 Tage raus, einfach erholen, irgendwo auf einer griechischen Insel. Austauschbar. Ein „Club“ mit diversen Angeboten zur Freizeitgestaltung. Wer braucht’s?

Mein Sohn bekam davon Wind, andere Kinder, die er beim Spielen kennen gelernt hatte, erzählten vom Kinderclub, wie schön es da sei und ob er mal mitkäme. Gesagt, getan, seine „Willensstärke“ brachte mich dazu, ihn dort abzuliefern. „Wart kurz, dann kannste gehn“. Klare Anweisung. Ich schaute mich um, zwei junge Frauen, die dort die Kinderschar betreuten, wuselten umher, Mütter, die drängelten, „ich muss in 5 Minuten zur Gymnastik sein!“ Richtig entspannt eben. So kam eine der Damen und verkündete, „Heute wird gemalt, hab euch was aus dem Malbuch kopiert“, mein Sohn war einverstanden und nahm das Blatt entgegen. Eine Comicfigur in Form von schwarzen Linien, die offensichtlich ausgemalt werden wollte. Das kannte er nicht. Wohl aber die Möglichkeit, bedruckte Blätter noch auf der Rückseite bemalen zu können. So drehte er Pikachu einfach „aufs Gesicht“ und fing an zu malen. Ich musste mir im Weggehen das Lachen verkneifen und machte mir meine Gedanken.

Wie oft im Leben erhalten wir vorgegebene Linien, die wir ausmalen sollen, wie oft nutzen wir die Gelegenheit, eigene Bilder ohne Vorgaben in das Buch unseres Lebens zu malen?
Wie oft sind wir unbewusst die Marionetten unserer Glaubenssätze und wie oft handeln wir wirklich frei?
Ich bitte immer wieder meine Klienten, sich selbst doch mal beim Denken zuzuhören und zu reflektieren, woher diese Gedankenstrukturen kommen und, vor allem, ob sie hilfreich sind.

Also – Malbuch oder leere Seite? Was wählst du lieber für dein Leben?

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